Rad-Verkehrsinfrastruktur in der Region

Update unten:

Nachdem ich heute fast den gleichen Ablauf erleben mußte, wie bei einem tödlichen Unfall zw. einem LKW und einer Radfahrerin, habe ich die Gelegenheit mit dem Fahrer direkt zu sprechen gehabt und natürlich auch genutzt. Dies passierte an exakt der gleichen Stelle wie der Unfall am 18.05.2021. Dabei fuhr sowohl der LKW als auch ich in der gleichen Richtung – es kam mir fast vor wie eine Nachstellung des Unfalls. Selbst die Stelle, an der ich unter dem LKW gelandet wäre, war vergleichbar.

Wie eingangs erwähnt, konnte ich direkt nach dem Fast-Unfall mit dem Fahrer kurz sprechen, was der mir sagte, ließ den tödlichen Unfall in einem anderen Licht erscheinen. Der Fahrer hatte den Eindruck als müssten Radfahrer an der Kreuzung rechts abbiegen, so hat ihm die Fahrbahnmarkierung suggeriert. Er hat sich für die gefährliche Situation entschuldigt, er war selbst mehr als erschrocken, insbesondere weil die Markierungen und Blumen an der Kreuzung noch vorhanden sind.

Ich kam an der Kreuzung von der Reudener Straße und wollte geradeaus in die Damaschkestraße. der LKW kam ebenfalls aus der Reudener Straße und bog nach rechts in die Thalheimer Straße ab. Er hatte mich kurz vor dem Abbiegen überholt und hat mich auch gesehen. Die Linienführung für den Fahrradschutzstreifen an der Kreuzung besteht weitestgehend nur aus Linien, die den Abbiegebereich kennzeichnen. Daher kam auch die Einschätzung, Radfahrer müssen rechts rum.

Die einfachste Lösung wäre doch, die Linien in geradeaus-Richtung zu ergänzen die Vorteile überwiegen definitiv:

  • abbiegende Fahrzeuge erkennen beim abbiegen, dass sie den Verkehrsraum eines Radfahrers kreuzen
  • der geradeaus fahrende Radfahrer hat einen sichtbaren Schutzbereich
  • zusätzlich haben geradeaus fahrende Fahrzeuge den Vorteil, nicht von plötzlich in der Engstelle auftauchenden Radfahrern überrascht zu werden – in dem Bereich existiert der Schutzstreifen ja schon

So könnte das dann aussehen – der real vorhandene Platz an der Kreuzung wird nicht weniger, da ja die Schutzstreifen auch von PKW befahren werden dürfen, sofern kein Radfahrer behindert/gefährdet wird.

Sicht auf die Kreuzung von der Reudener Straße
der LKW-Fahrer hat mich direkt vorher überholt und mich auch wahrgenommen
und fährt direkt rum
so sieht es auf der Damaschkestraße aus

Zusätzlich hatte ich vor einigen Wochen bereits Kontakt mit einem Mitarbeiter der Stadt Bitterfeld-Wolfen, der unter Anderem für die Radverkehrskonzeption verantwortlich ist. Diesen habe ich am morgen des 01.06.2021 angerufen, ihn sowohl von dem Vorfall als auch auch von den Aussagen des LKW-Fahrers und meinen Schlüssen in Kenntnis gesetzt. Die Informationen fand er hochinteressant, zumal immernoch die Aufarbeitung der Ursachen für den Unfall laufen. Ich bin ja gespannt, was da rauskommt und auch wie schnell sich etwas tut. Die aktuelle Fahrbahnmarkierung in der Damaschkestraße hat ca. 1,5 Jahre gedauert.

###Update 21.06.2021###

Inzwischen gab es and er Kreuzung 2 weitere Unfälle mit der Beteiligung von Radfahrern. 1 Radfahrerin wurde beim Überqueren der Kreuzung in Ost-West-Richtung von einem entgegenkommenden Linksabbieger angefahren. Zu diesem Unfall bin ich wenige Sekunden nach dem Zusammenstoß dazugekommen. Ein weiterer Unfall passierte vor ein paar Tagen, dabei wurde ein Kind, welches nach den mir vorliegenden Infos die Kreuzung in Nord-Süd-Richtung Richtung überqueren wollte von einem rechts abbiegenden PKW am Hinterrad des Fahrrades erwischt.

Die Kreuzung hat es in sich und ohne größere Änderungen wird sich das wohl kaum ändern. Unabhängig von den Unfällen, welche alle durch Fehler beim Abbiegen passierten, zeigt sich auch sonst die allgemein zunehmende Rücksichtslosigkeit. Abstände werden in den wenigsten Fällen eingehalten, nein, es wird sich in einer 3m Spur an einem Radfahrer mit nahezu nicht vorhandenem Seitenabstand überholt.

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1 Antwort zu Rad-Verkehrsinfrastruktur in der Region

  1. Vierig Lutz sagt:

    Hallo Thomas,
    eine erste Reaktion habe ich Dir schon auf Dein Handy geschrieben. Die irreführende Linienzeichnung ist wahrscheinlich noch niemanden aufgefallen und die beteiligten Kraftfahrer standen wahrscheinlich unter Schock. Da war „Dein“ Fahrer ja einer vernünftiger Zeitgenosse. Nur gut, dass er ausgestiegen ist. Auch sehr wichtig, dass Dir nichts passiert ist.
    Schönen Sonntag. Lutz

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